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Interview: Stellenwert der Therapie

Interview mit Prof. Dr. med. Frank Erbguth
Chefarzt der Neurologie am Klinikum Nürnberg

Warum ist es so wichtig, bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Notarzt zu verständigen?

Prof. Dr. Erbguth: Die bei einem Schlaganfall durch Schädigung bedrohten Hirnzellen sind die empfindlichsten im menschlichen Körper. Daher zählt jede Minute, denn durch schnelles Handeln und eine frühzeitige ärztliche Versorgung können Gehirnzellen gerettet werden. Außerdem kann man nur durch eine Computertomographie in der Klinik feststellen, ob der Schlaganfall durch eine Gefäßverstopfung oder ein geplatztes Gefäß ausgelöst wurde. Durch schnelles Handeln können Folgeschäden vermindert oder sogar vermieden werden, denn die Therapie ist umso effektiver je früher sie eingeleitet wird. So darf die medikamentöse Gerinnselauflösung auch nur unmittelbar nach Auftreten der ersten Schlaganfallsymptome durchgeführt werden. Also beim kleinsten Verdacht auf einen Schlaganfall oder einer vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn, einer so genannten TIA (= transitorischen ischämischen Attacke) sollte sofort ein Notarzt beziehungsweise ein Rettungswagen verständigt werden. Besser, einmal zu oft Alarm auslösen als einmal zu wenig!

Nach einem überstandenen Schlaganfall fragen sich viele Betroffene, wie es nun weitergehen kann. Was raten Sie?

Prof. Dr. Erbguth: Zum einen gilt es zu überlegen, welche Maßnahmen für den Patienten notwendig sind, damit er wieder in den Alltag zurückkehren kann. Je nach Ausmaß und Art der Folgen seines Schlaganfalls werden notwendige Reha- und Therapiemaßnahmen gemeinsam mit Physiotherapeuten, Logopäden oder Ergotherapeuten entwickelt. Das zweite wichtige Ziel der Nachbetreuung umfasst die Verhinderung eines weiteren Schlaganfalls. Denn das Risiko einen zweiten Schlaganfall zu erleiden, ist deutlich erhöht und beträgt im ersten Monat ca. 10 Prozent. Zur Vorbeugung müssen die Gefäßrisikofaktoren wie Hochdruck, Diabetes, Erhöhung der Blutfette oder Herzrhythmusstörungen mit geeigneten Medikamenten behandelt werden. Häufig ist auch eine medikamentöse Blutverdünnung notwendig. Wichtig ist es, die verordneten Medikamente regelmäßig und dauerhaft einzunehmen. Man sollte die Medikamente auf keinen Fall ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen, weil man sich besser fühlt. Die medikamentöse Vorbeugung eines weiteren Schlaganfalls ist eine Langzeitbehandlung, meistens ein Leben lang.

Was kann man sonst noch tun, um einen weiteren Schlaganfall zu vermeiden?

Prof. Dr. Erbguth: Nicht alles kann man durch Medikamente erreichen: So kann man einige Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder Bewegungsmangel selbst beeinflussen. Dazu gehört eine allgemeine gesunde Lebensführung mit einer ausgewogenen, fettarmen Ernährung, körperliche Bewegung mindestens zweimal wöchentlich und der Verzicht auf Nikotin. Damit vermindert man sein Risiko, einen erneuten Schlaganfall zu erleiden.
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