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Im Alltag

In der Wohnung

Es muss nicht immer ein kompletter Umbau oder Umzug sein: Häufig reichen schon einige kleinere Änderungen aus, zum Beispiel ein paar zusätzliche Haltegriffe oder ein Wannenlift, damit ein Schlaganfallpatient in der vertrauten Umgebung bleiben kann. Vor allem Ergotherapeuten sind gute Berater, wenn es um die behindertengerechte Ausstattung der Wohnung geht. Vor größeren Investitionen können sich Gespräche mit der Kranken- oder Pflegekasse lohnen. Gleiches gilt vor der Anschaffung von Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Krankenbetten.

Im Beruf

Wenn der Schlaganfall jüngere Menschen trifft, kommt fast immer auch die Frage nach der beruflichen Zukunft auf. Grundsätzlich sollte die Gesundheit Vorrang vor der Karriere haben. Ansprechpartner in Umschulungsangelegenheiten ist in erster Linie das Arbeitsamt oder der Rentenversicherungsträger (z.B. LVA oder BfA). Auch bei der behindertengerechten Gestaltung des Arbeitsplatzes leisten diese Institutionen oftmals Hilfe, indem sie dem Arbeitgeber die nötigen Investitionen zumindest teilweise erstatten.

Der Schwerbehindertenausweis

Schlaganfallpatienten, die zu mindestens 50 Prozent behindert sind, können beim zuständigen Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Das Dokument hilft, Nachteile auszugleichen, die durch die Behinderung entstehen. Insbesondere unterstützt es den Betroffenen beim Durchsetzen seiner Ansprüche auf arbeitsrechtliche Vergünstigungen (Kündigungsschutz, Urlaub, Arbeitshilfen), auf Wohngeld, Parkerleichterungen, Rundfunkgebühren-Befreiung, steuerrechtliche Nachteilsausgleiche (z.B. Freibeträge) oder auf kostenlose Beförderung im Personenverkehr. Antragsformulare liegen meist bei den örtlichen Sozialämtern bereit.

Mobilität und Autofahren

Aus eigener Kraft an jeden gewünschten Ort zu kommen, hat für die meisten Menschen großen Wert. Besonders das Autofahren ist hierzulande oft gleichbedeutend mit Lebensqualität. Selbst wieder ans Steuer oder besser nicht? Auch wenn der Schlaganfall keine oder nur leichte Behinderungen hinterlassen hat, sollten Betroffene diese Frage äußerst gewissenhaft und selbstehrlich prüfen. Die Straßenverkehrs-Zulassungsordnung verlangt in erster Linie Eigenverantwortung. Um straf- und versicherungsrechtliche Schwierigkeiten zu vermeiden, ist es ratsam, die Fahrtüchtigkeit nach einem Schlaganfall durch einen entsprechenden Eintrag im Führerschein bestätigen zu lassen. Auskünfte über die nötigen Formalitäten erteilt in der Regel die örtliche Führerscheinbehörde.

Freunde und Familie

Gerade nach einem Schlaganfall können Familienmitglieder und Freunde wertvollen seelischen Beistand leisten. Schlaganfall-Patienten sollten daher möglichst viel mit vertrauten Menschen unternehmen. Schon ein Spieleabend kann manchmal helfen, über ein krankheitsbedingtes Stimmungstief hinwegzukommen. Depressive Zustände sind nach schweren Erkrankungen nicht selten. Belasten diese zu stark, sollte man ohne Scheu das Gespräch mit dem Facharzt suchen.

Liebe und Sexualität

Es gibt kein medizinisch stichhaltiges Argument, warum ein Mensch nach überstandenem Schlaganfall auf körperliche Zärtlichkeit und Sex verzichten sollte. Im Gegenteil: Ähnlich wie Selbstständigkeit im Alltag, Unternehmungen mit Freunden oder erfolgreich gelöste Aufgaben im Beruf kann auch ein befriedigendes Liebesleben stärkend auf das Selbstbewusstsein wirken. Ein Schlaganfall mindert schließlich nicht das sexuelle Bedürfnis. Leistungsdruck im Bett ist allerdings nicht nur für Schlaganfallpatienten falsch. Relativ häufig nämlich ziehen die Krankheit und manche Medikamente auch die Sexualfunktionen in Mitleidenschaft. Doch selbst in diesem Fall kann mit dem richtigen, liebevollen und einfühlsamen Partner noch ein ausgefülltes Leben möglich sein.

Als bereichernd wird es empfunden, wenn beide Partner gemeinsam versuchen, ihrem Sexualleben neuen Raum zu geben. Neue Wege der Zärtlichkeit, neue Rituale zu finden, und vor allem, sich viel Zeit zu nehmen, um die gemeinsame Sexualität neu zu entdecken kann auch dazu beitragen, der Partnerschaft eine neue Tiefe und Nähe zu schenken.

Die Gefahr, durch sexuelle Aktivitäten einen zweiten Schlaganfall zu erleiden, besteht grundsätzlich nicht. Allerdings werden die Themen Liebe und Sexualität im Krankenhaus häufig kaum oder gar nicht angesprochen, da andere Fragen im Vordergrund stehen. Auch die Patienten hüllen sich oft in Schweigen. Ein falsches Schamgefühl ist hier allerdings nicht angebracht!. Am besten bespricht man das Thema offen mit seinem Arzt. Ein Arztgespräch kann durchaus helfen, mehr Sicherheit zu erlangen.

Hobbies und Freizeit

Jeder Schlaganfallpatient sollte sich eine Aufgabe suchen, die seiner körperlichen und psychischen Belastungsfähigkeit entspricht. Ideal sind Hobbys, die soziale Kontakte fördern, die körperliche Beweglichkeit verbessern oder das Denkvermögen trainieren. Unter diesen Aspekten können auch Ausstellungs-, Kino- oder Theaterbesuche anregend wirkend. Schlaganfallpatienten können auch in Urlaub fahren. Sicherheitshalber sollten sie vor der Buchung aber zuerst ihren Arzt befragen, ob das gewählte Reiseziel und die Urlaubsform aus medizinischer Sicht zu empfehlen sind. Manche Urlaubsveranstalter und einige Hilfsorganisationen bieten spezielle Reisen für gesundheitlich eingeschränkte Weltenbummler an. Abholdienste, behindertengerechte Hotels und medizinische Betreuung während des ganzen Urlaubs gehören dabei fast immer zum Standard.


Sport

Um die therapeutische Krankengymnastik zu ergänzen, eignen sich moderates Laufen und Radfahren sowie Schwimmen meist besonders gut. Die Auswahl der Sportart sollte immer in enger Absprache mit dem Arzt erfolgen. Erfahrungsgemäß machen Sport und Bewegung in einer Gruppe von Gleichgesinnten den größten Spaß. Vielerorts sind deshalb in den vergangenen Jahren spezielle Schlaganfallsportgruppen entstanden. Die meisten werden von fachlich besonders geschulten Trainern betreut, was den gesundheitlichen Nutzen der Gruppen zusätzlich stärkt. Bei der Suche nach einer Schlaganfallsportgruppe können die örtlichen Sportvereine, Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände oder auch Ärzte weiterhelfen.

Selbsthilfegruppen

Schlaganfallselbsthilfegruppen gibt es in Deutschland in fast jeder größeren Stadt. Zu ihren Aktivitäten gehören im Allgemeinen regelmäßige Treffen, die dem Erfahrungsaustausch und der Information der Mitglieder dienen. Schon deshalb kann es für Schlaganfallpatienten sinnvoll sein, sich einer Gruppe anzuschließen. Ärzte und Krankenkassen haben die Adressen der nächstgelegenen Gruppen oft griffbereit.

Pflegeversicherung

Fast immer kommen durch die Schlaganfallfolgen Kosten auf den Patienten und seine Familie zu. Da sich ihr Umfang meist nach der Behinderungsart und -schwere sowie den Heilungschancen richtet, ist ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung in vielen Fällen sinnvoll. Weil die Bearbeitung erfahrungsgemäß mehrere Wochen dauert, sollten Schlaganfallpatienten oder ihre Angehörigen diesen schon während der Krankenhauszeit stellen. Pflegebedürftig ist, wer im täglichen Leben, zum Beispiel beim Waschen, Anziehen oder Essen zubereiten, in erheblichem Umfang (voraussichtlich mehr als sechs Monate) Hilfe braucht. Zu den Pflegeleistungen gehören je nach Bedarf: häusliche Krankenpflege, medizinische Behandlungspflege nach ärztlicher Verordnung, Anleitung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen, Beratung, Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. In welcher Höhe ein Schlaganfallpatient Leistungen aus der Pflegekasse erhält, wird durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MdK)
entschieden. Ausschlaggebend ist die Pflegestufe, in die der Antragsteller vom MdK eingruppiert wird. Die Pflegeversicherung kann sowohl Sachleistungen (Einsatz eines Pflegedienstes) als auch Geldleistungen für pflegende Angehörige gewähren. Aufgrund der Reform des Gesundheitswesens muss in den kommenden Monaten und Jahren jedoch mit zahlreichen, teils grundlegenden Änderungen in der Pflegeversicherung und bei der Bezahlung von Pflegeleistungen gerechnet werden.

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