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Weitere Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises

Fibromyalgie-Syndrom

Aus dem großen Komplex der nicht-entzündlichen weichteilrheumatischen Erkrankungen stellt das Fibromyalgie-Syndrom heute die bekannteste und möglicherweise auch häufigste Erkrankung (bzw. Syndrom) dar. Frauen sind davon deutlich häufiger betroffen. Der Beginn liegt am häufigsten in den mittleren Lebensjahren. Es handelt sich um ein Syndrom (möglicherweise nicht um eine einheitlich zu definierende Erkrankung) mit unbekannter Ursache, die durch folgende Merkmale charakterisiert ist:
  • Generalisierte Schmerzen (im ganzen Körper)
  • Typisches Muster 18 druckschmerzhafter Punkte
  • Massive Müdigkeit tagsüber, Schlafstörung in der Nacht
  • Zahlreiche unterschiedliche Beschwerden: im Herzkreislaufbereich (Herzklopfen, -stolpern und -rasen), Magen-Darm-Bereich (Durchfall, Bauchschmerzen), Nervensystem (Pelzigkeit und Kribbeln), Drüsenbereich (Mund- und Augentrockenheit)
  • Depressive Verstimmung
Bis auf das typische Muster druckschmerzhafter Befunde lassen sich beim körperlichen Untersuchungsbefund sonst keine Auffälligkeiten feststellen. Patienten schildern zwar oft das Gefühl von Gelenkschwellungen, diese sind jedoch nie nachzuweisen. Da auch Laborbefunde und bildgebende Untersuchungen wie Röntgen keine Besonderheiten bieten, werden Fibromyalgie-Patienten oft als Simulanten oder psychisch Kranke betrachtet (Schmerz lässt sich nicht messen!). Letztlich kann die Diagnose nur durch die Aussagen der Betroffenen und den typischen Untersuchungsbefund gestellt werden.

Rheumatische Systemerkrankungen (systemischer Lupus erythematodes)

Hierunter versteht man Erkrankungen, die den gesamten Organismus betreffen können. Häufig handelt es sich dabei um schwere, im unbehandelten Zustand lebensbedrohliche Erkrankungen, die allerdings auch in leichter Form vorkommen können. Sie sind mit heutigen therapeutischen Möglichkeiten meist recht gut zu behandeln. Ein typisches Beispiel einer solchen Systemerkrankung stellt der Systemische Lupus erythematodes (SLE) dar. SLE ist eine Autoimmunerkrankung mit bisher nicht aufgeklärter Ursache. Frauen im gebärfähigen Alter sind davon 10 mal häufiger als Männer betroffen. Die Krankheit kann schleichend (oft mit Schüben von Müdigkeit, erhöhter Körpertemperatur, Gelenkschmerzen, Haarausfall und Hautrötungen), manchmal aber auch hochakut an Organen wie z. B. der Niere beginnen. Fast immer sind neben allgemeinen Krankheitszeichen Gelenke (mit Schmerzen und Arthritis), Muskeln (mit Schmerzen) und Haut (mit fleckförmigen Rötungen, außerdem großer Sonnenlichtempfindlichkeit) betroffen. Organe wie Niere, Lunge, Herz, zentrales Nervensystem können auch beteiligt sein. Es kommen alle Schweregrade vor. Der Hautbefall kann sich in unverwechselbarer Form als "schmetterlingsförmiges" Erythem im Gesicht, aber auch uncharakteristisch in anderen Körperregionen präsentieren. Oft treten begleitend Probleme mit trockenen Schleimhäuten, v. a. an Mund und Augen, auf (Sjögren-Syndrom).
Neben einer medikamentösen Therapie, die sich nach dem aktuellen Schweregrad der Erkrankung richtet, ist für SLE-Patienten auf die Notwendigkeit von Lichtschutzmaßnahmen hinzuweisen. UV-Licht-Belastung kann Schübe auslösen bzw. verschlechtern. Besondere Probleme können sich im Zusammenhang mit Schwangerschaften ergeben, hier ist für die junge SLE-Patientin eine gründliche Beratung vor und intensive Betreuung während der Schwangerschaft notwendig. Bei einem Teil der SLE-Patienten können spezielle Gerinnungsprobleme im Zusammenhang mit dem Nachweis spezieller Auto-Antikörper (Anti-Phospholipid-Antikörper) auftreten. Dies muss laborchemisch abgeklärt werden.

Polymyalgia rheumatica (PMR)

Die PMR ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung des höheren Alters. Bis auf ganz wenige Ausnahmen tritt sie erst ab dem 50. Lebensjahr auf. Die Erkrankung beginnt oft schlagartig "über Nacht" mit nächtlichen extremen Schmerzen und morgendlicher Steifigkeit der Muskulatur der Nackenregion, des Schulter- und Beckengürtels. Die Betroffenen können sich oft die Haare nicht kämmen. Im Lauf des Tages nimmt die Symptomatik ab. Schwäche, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, nächtliches Schwitzen und depressive Verstimmung, manchmal auch leichtes Fieber sind oft zusätzlich vorhanden.

Gelenkentzündungen im Bereich der Kniegelenke und Hände sowie eine Einklemmung des Medianusnervs (Carpaltunnelsyndrom) mit nächtlichem Einschlafen und Pelzigkeit der Hand können hinzukommen. In etwa 50 - 60 % tritt die PMR zusammen mit einer Gefäßentzündung (Arteriitis temporalis) auf, welche sich besonders häufig im Kopfbereich mit Schläfenkopfschmerz, druckschmerzhaft geschwollener Schläfenarterie und Sehstörungen, manchmal aber auch mit Durchblutungsstörungen in anderen Regionen bemerkbar macht. Finden sich Zeichen einer Gefäßentzündung, so ist dies als absolute Notfallsituation zu betrachten, ein akuter Gefäßverschluss (z. B. mit plötzlichem Erblinden) könnte folgen. Deshalb ist in dieser Situation Eile bezüglich notwendiger Untersuchungen und Therapie geboten!
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