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Diagnose und Schweregrade

Diagnostik - wie ist die Krankheit zu erkennen?

Häufig kann die exakte Diagnose einer RA erst nach einer Anlaufzeit von Wochen bis Monaten (sehr selten auch noch längerer Zeit) gestellt werden. In dieser Zeit sind bei uncharakteristischen Beschwerden (z. B. Gelenkschmerzen und Müdigkeit) andere mögliche Ursachen noch nicht sicher auszuschließen.

Die Sicherung der Diagnose sollte unbedingt so früh wie möglich erfolgen, da erst dann eine gezielte Behandlung möglich ist. Sie ist durch eine Kombination typischer klinischer (körperlicher) Befunde und unterstützender Laborbefunde möglich und gelingt in der Regel innerhalb einiger Monate nach Beginn der ersten Krankheitszeichen. Die Diagnose-Kriterien des American College of Rheumatology (ACR), bieten dem Arzt hierfür Hilfestellung. Laborwerte wie der Nachweis des Rheumafaktors oder einer erhöhten Blutsenkung haben zwar Hinweis-Charakter, beweisen die Diagnose aber nicht. Sie können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Trotz seines Namens ist z. B. der "Rheumafaktor" zu Beginn der Erkrankung nur bei 30 - 50 % und auch im Gesamtverlauf nur bei 80 % der RA-Patienten nachweisbar. Wie viele andere rheumatische Erkrankungen lässt sich also auch die RA nicht allein durch Laborwerte sichern.

Rheuma-typische Befunde im Röntgenbild wiederum folgen im Allgemeinen erst einige Monate oder sogar Jahre nach Beginn der Erkrankung und können deshalb für die möglichst frühe Sicherung der Diagnose nicht herangezogen werden. Zusammengefasst spielen somit technische Untersuchungen im Vergleich zum klinischen Befund nur eine untergeordnete Rolle.
Röntgenbild im fortgeschrittenen Stadium
Röntgenbild im fortgeschrittenen Stadium

Diagnose-Kriterien des ACR für die rheumatoide Arthritis

  1. Morgensteifigkeit von mindestens 60 min. Dauer in den Gelenken
  2. Arthritis (mit Schwellung / Erguss) in drei oder mehr Gelenkbereichen
  3. Arthritis im Bereich der Hände (Handgelenke, Fingergrund und - mittelgelenke)
  4. Symmetrische Arthritis (gleiche Gelenke auf beiden Körperseiten betroffen)
  5. Nachweis von Rheumaknoten
  6. Rheumafaktor im Serum positiv
  7. RA-typische Veränderungen im Röntgenbild (Entkalkung, Gelenkspaltverschmälerung, Zysten, Usuren im Knochen)
Für eine aussagekräftige Diagnose der RA müssen mindestens 4 von 7 Merkmalen vorhanden sein und die Merkmale 1 - 4 seit mindestens sechs Wochen bestehen.

Im Frühstadium bleiben deshalb die gründliche Anamnese (Verlauf des bisherigen Krankheitsgeschehens) und die körperliche Untersuchung die bei weitem wichtigsten diagnostischen Hilfsmittel des Arztes. Da für die richtige Interpretation der erhobenen Befunde fachliches Spezialwissen erforderlich ist, sollte jeder Patient mit einer unklaren rheumatischen Erkrankung möglichst bald einen Spezialisten, d. h. den Rheumatologen aufsuchen. Dieser wird dann nicht nur eine genauere Diagnose (oder Verdachtsdiagnose) stellen, sondern auch bereits einen individuellen effektiven Behandlungsplan festlegen.

Klinischer Krankheitsverlauf und Funktions-Status werden vom Arzt in vier Schweregrade eingeteilt (Glücklicherweise wird mit den heutigen therapeutischen Möglichkeiten das Erreichen der letzten Stadiums 4 fast immer vermieden).

Schweregrade der rheumatoiden Arthritis -Einteilung nach klinischen Stadien

Stadium 1: Schubweises Auftreten von Gelenkschwellungen und -schmerzen, Morgensteifigkeit und allgemeinen Krankheitszeichen.
Stadium 2: Fortschreitende Abnahme der Gelenkbeweglichkeit, Muskel- und Knochenschwund (Osteoporose), Mitbeteiligung des Bindegewebes (Kapseln, Sehnenscheiden, Schleimbeutel)
Stadium 3: Beginnende Zerstörung des Gelenkknorpels sowie Defekte im Knochen. Allmähliche Schädigung des Bindegewebes (Lockerung der Bänder und Gelenkkapsel) mit nachfolgender Instabilität und Fehlstellung der Gelenke. Einschränkung der Beweglichkeit nimmt zu. Ausbreitung der Krankheit auf seltenere Regionen (Halswirbelsäule, große Gelenke, Kiefergelenke).
Stadium 4: Beginnende völlige knöcherne Überbrückung der Gelenke (Ankylose) mit völliger Gelenkversteifung, grobe Verformungen; weitgehende Invalidisierung und Unbeweglichkeit. Die Patienten sind im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen.

Neben der Einteilung nach den klinischen (anatomischen) Veränderungen kann man den Schweregrad der RA ebenfalls danach beurteilen, inwieweit ein Patient in seiner Bewegung eingeschränkt ist. Hierfür hat man ebenfalls eine Einteilung nach 4 Stadien gewählt, die in der folgenden Übersicht dargestellt sind.

Rheumatoide Arthritis (RA)Einteilung nach Funktionsstatus

Stadium 1: Aktivitäten des täglichen Lebens nicht behindert.
Stadium 2: Einschränkung im Bereich der Freizeitaktivitäten (z. B. Sport), Selbstversorgung und berufliche Tätigkeit jedoch noch uneingeschränkt.
Stadium 3: Selbstversorgung noch möglich, neben den Freizeitaktivitäten auch berufliche Tätigkeit eingeschränkt.
Stadium 4: Sämtliche Aktivitäten des täglichen Lebens eingeschränkt
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