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Arthritis als Folge von Infektionen

Gelenkschmerzen, die mit Entzündungszeichen einher gehen, können durch Infektionen mit verschiedenen Erregern (Bakterien, Viren) bedingt sein.

Arthritis bei Virusinfektionen

Virusinfektionen werden im akuten Stadium oft von Gelenkschmerzen begleitet, die zusammen mit dem Infekt wieder verschwinden. Daneben können bestimmte Erreger (z. B. Rötelnvirus, Parvovirus B19, Hepatitis-Viren) jedoch eine hochakute Polyarthritis (viele Gelenke erkranken) auslösen. Diese verursacht anfangs so heftige Symptome, dass sie sogar mit der rheumatoiden Arthritis (RA) verwechselt werden kann (zumal die gleichen Gelenke, bevorzugt symmetrisch kleine Finger- und Zehengelenke, betroffen sind). Im Unterschied zur RA klingt jedoch diese Polyarthritis nach einigen Wochen bis spätestens 2 - 3 Monaten vollkommen ab. Sie muss nur symptomatisch mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Verwirrenderweise kann im akuten Stadium von Viruserkrankungen vorübergehend ein positiver Rheumafaktor im Serum nachweisbar sein. Dies begünstigt Verwechslungen mit der RA!

Gelenkentzündungen, die durch Infekte bzw. Erreger ausgelöst werden - eine Übersicht über die wichtigsten Zusammenhänge

Art der Erkrankung Erklärungen
Eitrige (septische) Arthritis Direkte Gelenkinfektion, d. h. Erreger im Gelenk. Notfallerkrankung, da rasch Zerstörungen entstehen - oft mit massiven Schmerzen, Rötung, Überwärmung. Die Diagnose wird durch Gelenkpunktion und Nachweis des Erregers in der Flüssigkeit gestellt.
Arthritis im Rahmen von Virusinfekten ("parainfektiös") Relativ häufig - oft nur flüchtige Gelenkschmerzen während der Infektion, bei manchen Erregern aber schwere Polyarthritis, die (meist) im Verlauf von Wochen abklingt.
Reaktive Arthritis Arthritis, die einige Tage bis Wochen nach Infekten mit bestimmten Erregern auftritt und meist durch Darm- und Harnwegsinfekte aus-gelöst wird; klingt meist erst nach Monaten ab.
Rheumatisches Fieber(nach Streptokokken-Angina) Flüchtige, wandernde Arthritis mit Fieber, Herzklappenentzündung und seltenen weiteren Symptomen. Diese Form der Arthritis ist heute in Mitteleuropa fast ausgestorben. Es werden jedoch noch häufig Fehldiagnosen gestellt, die zur unnötigen Behandlung mit Antibiotika führen. Wichtig: Diagnose von Spezialisten prüfen lassen!
Borreliose /Lyme-Arthritis Borrelien werden durch Bisse infizierter Zecken übertragen und können zu einer akuten Hauterkrankung und zu verschiedenen chronischen Befundkomplexen der Gelenke führen. Vorsicht: Sehr häufig Fehldiagnosen!

Reaktive Arthritis nach Darm- und Harnwegsinfekten

Bestimmte bakterielle Erreger (vor allem Chlamydien, Yersinien, bestimmte Salmonellen- und Campylobacter-Stämme) können bei erblich vorbelasteten Patienten eine Fehlreaktion im Immunsystem auslösen, die einige Tage bis maximal drei Wochen nach Abklingen der Infektion zu einer akuten Arthritis führen. Diese relativ häufige Art der Arthritis betrifft meist ein oder wenige große Gelenke in asymmetrischer Form, vor allem in der unteren Extremität, wie Knie- und Sprunggelenke. Manchmal sind auch Zehen und Finger im ganzen Strahl ("Wurstzeh, Wurstfinger") betroffen.

Oft beginnt diese Arthritis so stark, dass sogar eine Verwechslung mit der Gicht möglich ist. Sie muss dann intensiv mit entzündungshemmenden Maßnahmen (Antiphlogistika, manchmal Korticoide, Eisanwendungen) behandelt werden.

Die Chancen auf Heilung für diese Form der Arthritis sind jedoch meist gut. Bei etwa 80 % der Betroffenen klingt das Krankheitsbild unter der Behandlung innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten langsam ab. Ein kleiner Teil der Fälle geht jedoch in eine chronische Arthritis über, die dann oft von weiteren Symptomen (Wirbelsäulenbeteiligung, Hautbefall, Augenentzündungen, Entzündungen der Sehnenansätze u. a.) begleitet wird. Dieses Krankheitsbild wurde früher als 'Reiter-Syndrom' bezeichnet und muss im Unterschied zur einfachen reaktiven Arthritis nicht nur symptomatisch, sondern auch mit einer Basistherapie behandelt werden.

Borreliose / Lyme-Arthritis

Borrelien sind Erreger, die durch Zeckenbiss auf den Menschen übertragen werden können. Im frühen Stadium der Borrelien-Infektion kann sich einige Tage nach Zeckenbiss ein runder Hautfleck mit außen deutlicher, innen blasser Hautrötung bilden, der sich langsam vergrößert und dabei verblasst. In diesem Stadium ist eine antibiotische Therapie z. B. mit Tetrazyklinen sehr erfolgsversprechend. Im späteren Stadium kann sich nach Monaten bis Jahren (also nicht unmittelbar nach dem Zeckenbiss) neben anderen Krankheitszeichen eine Arthritis (Gelenkentzündung) entwickeln. Typischerweise betrifft diese Arthritis ein oder wenige Gelenke (am häufigsten die Kniegelenke) mit schubartigem häufigem Auftreten und Abklingen. Typisch ist hierbei ein sehr ausgeprägter Gelenkerguss mit relativ wenig Schmerzen.

Holzbock

Die Diagnose einer Lyme-Arthritis ist nicht immer leicht zu stellen. Wenn eine typische Vorgeschichte besteht (Zeckenbiss, nachfolgende Hautrötung, Monate später Arthritis mit obigen Merkmalen), gibt es wenig Probleme hinsichtlich der Diagnosestellung. Oft ist aber der Zeckenbiss schon Monate oder gar Jahre vorher passiert und eigentlich schon vergessen. Der Nachweis von erhöhten Antikörper-Titern gegen den Erreger im Blut kann hier Sicherheit für die Diagnose bringen. Leider finden sich diese Antikörper nicht selten auch bei Gesunden, die irgendwann einmal mit dem Erreger Kontakt hatten und tragen dann zur Verwirrung bei.

Merke: Nur bei passenden Beschwerden und / oder Vorgeschichte hat der positive Borrelien-Antikörper-Nachweis eine diagnostische Bedeutung! Das Zusammentreffen von Antikörpern und irgendwelchen Schmerzproblemen (z. B. an den Gelenken) ohne eindeutige Entzündung weist nicht eindeutig auf die Diagnose 'Borreliose' hin!

Bei gesicherter Diagnose wird die Lyme-Arthritis antibiotisch über - je nach Substanz - 2 bis 4 Wochen behandelt und kann damit in vielen Fällen zum Abklingen gebracht werden. Auch in Fällen, die schlecht auf die Therapie ansprechen, klingt das Krankheitsbild aber, wie man heute weiß, meist im Verlauf einiger Jahre ab. Da die Verdachtsdiagnose einer Borreliose viel zu häufig (z. B. bei positiver Serologie und unspezifischen Beschwerden) gestellt wird, werden leider viele Patienten unnütz und oft über lange Zeit umsonst mit Antibiotika behandelt.
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