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Verlauf der HIV-Infektion

Prinzipiell muss hinsichtlich des Verlaufs einer HIV-Infektion (Human Immunodeficiency-Virus - Infektion) beachtet werden, dass er sich, individuell betrachtet, äußerst unterschiedlich entwickeln kann. Manche HIV-Positive erkranken schon kurz nach der Infektion an AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrom) mit dem Krankheitsbild schwerer Infektionen oder Tumorwachstum, andere wiederum zeigen auch nach 15 Jahren immer noch keinerlei Krankheitszeichen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Aussage zu werten, dass bei HIV-Infizierten die Erkrankung AIDS im Durchschnitt nach 9-10 Jahren ausbricht. Gerade in frühen Stadien der Infektion ist keine verlässliche Aussage über den weiteren Verlauf möglich. Dies hängt vor allem auch mit der sich stetig verbessernden medikamentösen Behandlung der Erkrankung zusammen, auf die jeder HIV-Infizierte gemäß seiner genetischen Veranlagung, seines Alters, seines Lebensstils und weiterer Faktoren unterschiedlich reagiert.

Daher sollte auch kein Betroffener einzig anhand mitgeteilter Stadieneinteilungen seine weitere Lebensplanung ausrichten. Heutzutage ist es dank der modernen Therapieverfahren auch möglich, wieder eine deutliche Verbesserung der Blutwerte, des individuellen Wohlbefindens und der Folgeerkrankungen (opportunistischen Infektionen) von HIV-Infektionen zu erreichen.

Phasen der HIV-Infektion

In der ersten Phase, wenige Tage bis Wochen nach Ansteckung mit dem HI-Virus, tritt zunächst eine 'akute HIV-Krankheit' auf. Hierbei sind häufig die Lymphknoten geschwollen und/oder man fühlt sich wie wenn man eine Grippe hätte. Viele Betroffene spüren auch gar nichts von ihrer Infektion. Bei allen Infizierten wird jedoch der HIV-Test in diesem Zeitraum positiv und die T4-Lymphozyten sinken zunächst dramatisch ab, um sich nach einigen Monaten auf etwa 75 % des Ausgangswertes einzupendeln.
In dieser ersten Phase der HIV-Infektion ist auch die sogenannte Viruslast sehr hoch; dies bedeutet, dass Milliarden von Viren den Organismus überschwemmen und im Blut nachweisbar sind. Diese werden von der noch intakten Körperabwehr bekämpft. Hält sich die Vernichtung der Viren durch die Körperabwehr und die Virusvermehrung die Waage, spürt der Infizierte nichts von seiner Krankheit. Diese Phase der Erkrankung wird auch als asymptomatischer Verlauf oder als Latenzphase einer HIV-Infektion bezeichnet. Mit zunehmender Dauer der HIV-Infektion und allmählichem weiteren Abfall der T4-Lymphozyten, treten zunächst leichtere Infektionen auf.
Bild: Natürlicher Verlauf der HIV-Infektion
Natürlicher Verlauf der HIV-Infektion
Die HIV-Infektion ist in dieser zweiten Phase symptomatisch geworden, man spricht aber in diesem Stadium noch nicht vom definitiven Ausbruch von AIDS. Hierbei sind Pilzinfektionen im Mund- und Genitalbereich zu beobachten, Fieber, Nachtschweiß und Schwächegefühle treten auf - aber auch Durchfälle, Gürtelrose und andere Krankheitszeichen können vorkommen. Vergrößerte Lymphknoten können ebenfalls Zeichen der fortschreitenden Infektion sein. Im medizinischen Sprachgebrauch wird das Stadium der vergrößerten Lymphknoten als LAS (Lymphadenopathiesyndrom) bezeichnet, die leichteren Infektionssymptome als ARC (AIDS-related complex).
Schließlich steigt die Viruslast weiter an und die T4-Lymphozyten (CD4-Zellen) sinken auf Werte von weniger als 200 pro Mikroliter Blut.

Die Struktur der Lymphknoten wird zerstört und in dieser dritten Phase bricht die AIDS-Erkrankung aus. Auch wenn nach Ausbruch von AIDS in der Literatur generell von Überlebenszeiten zwischen 1,5 und 3 Jahren gesprochen wird, beziehen diese Literaturstellen meist nicht den heutigen Stand der modernen Therapie von Infektionen bzw. weitere aktuelle Kenntnisse aus der medizinischen Forschung (z. B. neue antiretrovirale Kombinationstherapien) in diese Aussage mit ein. Jeder AIDS-Patient reagiert individuell auf seine Infektion mit dem HI-Virus, abhängig von seinem Lebensstil, seiner genetischen Veranlagung und der angewandten bisherigen Therapie sowie anderen bisher unbekannten Faktoren.

CDC-Klassifikation

Zur groben Orientierung über das erreichte Krankheitsstadium einer HIV-Infektion wird bis heute die amerikanische CDC (Centers for Disease Control and Prevention) -Klassifikation von 1993 verwendet. Zu dieser Zeit gab es keinerlei effektive Behandlungsmöglichkeiten (wie z. B HAART = hoch aktive antiretrovirale Therapie), so dass diese Klassifikation, die keinerlei Verbesserungen des Krankheitszustandes berücksichtigt, sondern von einer stetigen Verschlechterung ausgeht, heutzutage wahrscheinlich nicht mehr aussagekräftig ist.

Einerseits wurden bei dieser Klassifikation klinische Kategorien bestimmt:
  • Kategorie A: Erstinfektion mit HI-Virus, asymptomatischer Verlauf oder mit Lymphknotenschwellung.

  • Kategorie B: Alle Krankheitszeichen, die zu leichteren Erkrankungen führen, die auf eine gestörte Immunabwehr zurückzuführen sind (nicht AIDS-spezifisch).

  • Kategorie C: Bedeutet Ausbruch der Erkrankung = AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrom).

Als zweites Kriterium zur Einteilung des Schweregrades der Erkrankung wurde die gemessene Anzahl der T4-Lymphozyten (CD4-Zellen) herangezogen:
  • Gruppe 1: 500 und mehr T4-Lymphozyten pro Mikroliter Blut;

  • Gruppe 2: 200-499 T4-Lymphozyten pro Mikroliter Blut;

  • Gruppe 3: weniger als 199 T4-Lymphozyten pro Mikroliter Blut.

Auch unter dem Gesichtspunkt, dass die aktuelle Viruslast (Anzahl von HI-Viren im Blut) bei dieser Einteilung keinerlei Berücksichtigung findet, stellt sich die Frage, ob die Zeit nicht für neue Klassifikationssysteme reif wäre.
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